FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse)
Vorbeugende Analysemethode, die mögliche Fehler in einem Produkt oder Prozess bewertet und priorisiert, bevor sie überhaupt entstehen.
Die FMEA setzt in der Entwicklungs- oder Planungsphase an, also bevor ein Produkt gefertigt oder ein Prozess eingeführt wird. Ein Team betrachtet systematisch, was alles schiefgehen könnte, statt erst auf eingetretene Fehler zu reagieren.
Für jede denkbare Fehlerart wird die mögliche Ursache sowie die Auswirkung auf den Kunden herausgearbeitet. Anschließend bewertet das Team drei Faktoren jeweils auf einer Skala von 1 bis 10: die Bedeutung des Fehlers (B), die Wahrscheinlichkeit seines Auftretens (A) und die Wahrscheinlichkeit, ihn vor Auslieferung zu entdecken (E).
Aus den drei Werten ergibt sich die Risikoprioritätszahl. Sie dient nicht als absolute Größe, sondern als Rangfolge: Fehlerarten mit hoher RPZ werden zuerst mit Maßnahmen adressiert, etwa durch eine robustere Konstruktion oder eine zusätzliche Prüfung.
In der Praxis unterscheidet man vor allem zwei Ausprägungen: die Konstruktions-FMEA, die sich auf das Produkt selbst richtet, und die Prozess-FMEA, die den Fertigungs- oder Arbeitsablauf betrachtet.
Formel
RPZ = B x A x E
Praxisbeispiel
Bei einem gebogenen Blechteil wird die Fehlerart 'scharfe Grate an der Biegekante' untersucht. Bedeutung B = 7 (Verletzungsgefahr bei der Montage), Auftreten A = 4, Entdeckung E = 3. RPZ = 7 x 4 x 3 = 84. Nach Einführung einer verbindlichen Sichtprüfung direkt nach dem Biegen sinkt die Entdeckungswahrscheinlichkeit auf E = 1, die RPZ fällt auf 28.
So hilft Leanshift
Die Entwicklungsschmiede-Haltung von Leanshift zielt darauf, Qualität vorausschauend zu entwickeln statt Fehler nachträglich zu reparieren. Die FMEA passt genau in diese Logik: erst denken, dann umsetzen.
Häufige Fragen
Wann wird eine FMEA erstellt?
Idealerweise vor Serienstart, also während der Produkt- oder Prozessplanung. So lassen sich Risiken noch mit geringem Aufwand vermeiden, statt später teure Nacharbeit oder Reklamationen zu verursachen.
Was bedeutet eine hohe Risikoprioritätszahl?
Eine hohe RPZ zeigt an, dass eine Fehlerart in der Kombination aus Bedeutung, Auftreten und Entdeckung besonders kritisch ist. Sie wird bei der Maßnahmenplanung vorrangig behandelt, unabhängig von einem festen Grenzwert.
Worin unterscheiden sich Konstruktions- und Prozess-FMEA?
Die Konstruktions-FMEA prüft mögliche Schwächen im Produktdesign selbst. Die Prozess-FMEA untersucht dagegen den Ablauf der Fertigung, etwa Maschineneinstellungen, Handhabung oder Prüfschritte.